Geschlechterturm, Kemenate, Donjon, Steinhaus und Häuptlingsburg

Aus dem norditalienischen Raum gelangte über die Alpen im Mittelalter der Bautyp des steinernen Wohnturmes über Frankreich und die Niederlande nach Norddeutschland. Dies sind z.B. die Geschlechtertürme,die man aus San Gimignano kennt, oder in Regensburg, im französischen werden sie als Donjon bezeichnet, in England "keep". Die in Norddeutschland bekanntesten Beispiele sind die Kemenaten (von caminus lat. - Feuerstätte, Kamin) in Braunschweig. Im 12. Jahrhundert waren Häuser aus Stein selten, die meisten Gebäude waren aus Fachwerk, aus Holz und Lehm. Das galt erst recht für die ostfriesische Halbinsel. Der Ziegelbau war noch nicht eingeführt und reiche Natursteinvorkommen waren nicht verfügbar. Das waren sogenannte bautechnisch limitierende Faktoren. Dazu kamen natürlich auch kostenmäßige und für Ostfriesland zusätzlich regulative, das heißt, dass es nur einem bestimmten Personenkreis erlaubt war Häuser aus Stein zu errichten.

Die frühen Typen waren Wohn- und Verteidigungstürme mit dicken Mauern und wenigen Fenstern (z.B. Bunderhee). Diese Form, das Turmhaus setzte sich im 13. und 14. Jahrhundert durch. Aus Sicherheitsgründen befand sich der Zugang im Obergeschoss, mehrere Meter über dem Boden. Oft waren diese Türme von Gräften mit einer Zugbrücke umgeben. Mit zunehmender Entwicklung der Bautechnik und Verbesserung der wirtschaftlichen Situation wurde dieser Typ weiterentwickelt. Im 14. Jahrhundert wurde dann mehr auf Komfort und Repräsentation Wert gelegt.

In Ostfriesland wird das Wort Steinhaus wie ein terminus technicus, wie ein Synonym gebraucht: es bezeichnet den massigen, kompakten, archaischen, "burgenähnlichen" Ziegelbau aus dem 14. bis 17. Jahrhundert. Als typische Vertreter dieser Gattung gelten das Steinhaus zu Bunderhee (Turmhaus als Speicher und Schutzbau de 14. Jh.) das Pastorat in Stapelmoor (Übergangstyp, zweigeschossig von 1429) und die Osterburg in Groothusen (repräsentatives Langhaus vom Ende des 15. Jh.)

Von den einstmals über 130 typischen Steinhäusern sind viele abgebrochen worden bzw. umgebaut und bis zur Unkenntlichkeit verändert worden. Teilweise verschmolzen diese Gebäude mit Scheunenbauten und wurden so zu einem Bauernhof.

Text mit freundlicher Genehmigung von Tanno Ramm