Kleine Territorialgeschichte Ostfrieslands
Ostfriesland mit dem Thingplatz "Upstalsboom" bei Aurich war der Kern des mittelalterlichen Friesland der "tota frisia". Die zeitweilig bis zu 30 Landesteile dehnten sich vom Ijsselmeer (Zuidersee) in den heutigen Niederlanden bis an die Unterweser aus. Westfriesland liegt westlich des Ijsselmeers und wurde bereits 1289 holländisch. Der lockere friesische Bund nannte sich "die sieben Seelande", eine symbolische Zahl.
Im 13. und 14. Jh. wurde das Genossenschaftswesen durch die regionale Häuptlingsherrschaft abgelöst. Aus dieser Oberschicht setzten sich die Cirksena, Häuptlinge aus Greetsiel, durch und wurden 1464 mit der Reichsgrafschaft Ostfriesland von Kaiser Friedrich III. belehnt. Mit Erhebung in den Fürstenstand 1654 wurde Ostfriesland Fürstentum.
Als der letzte Cirksena 1744 kinderlos starb, erbte Friedrich der Große Ostfriesland und integrierte die ferne Provinz in das preußische Königreich. Einer der drei Männer, die dies 1689 mit dem großen Kurfürsten einfädelten, war der Besitzer der Osterburg, Eberhard ter Braeck. Aus dieser Geheimaktion wurde die kaiserliche Expektanz (Belehnung des Fürstentums im Falle fehlender männlicher Erben) von 1694, die letztlich dafür sorgte, das Ostfriesland preußisch wurde.
Von 1806 bis 1810 gehörte das Land zum Königreich Holland. Ab 1811 ist man bis 1813 direkt unter der Fuchtel von Napoleon: unter der Bezeichnung "Departemant de`l Ems oriental". Mit dem Zusammenbruch der französischen Herrschaft wurde man wieder preußisch.
Unter dem Einfluß der Engländer muß Preußen nach dem Wiener Kongress 1814/15 Ostfriesland an Hannover (britisch) abtreten. Die Engländer wollten verhindern, dass Preußen sich an der Nordseeküste festsetzt und Seemacht wird. Es beginnt eine Phase der Stagnation. Mit dem Ende des Königreiches Hannover wird Ostfriesland 1866 wieder preußisch.
Nach 1871 wurde Ostfriesland mit Preußen in das deutsche Reich eingebunden. Die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts waren, wie im übrigen Deutschland, auch von einer allmählichen und vollständigen politischen Übernahme durch die Nationalsozialisten geprägt. Die Landbevölkerung war schon frühzeitig politisch rechts orientiert, während die Arbeiterbevölkerung in Emden noch lange links wählte.
Nach dem zweiten Weltkrieg wird das Land als Regierungsbezirk Aurich in das neugebildete Land Niedersachsen eingegliedert. 1978 wurde der Regierungsbezirk Aurich mit den Bezirken Osnabrück und Oldenburg zum Regierungsbezirk Weser-Ems zusammengefasst. Dieser wurde wiederum 2004 ohne Nachfolger aufgelöst. Ostfriesland hat somit als eigene Verwaltungseinheit bereits 1978 aufgehört zu existieren.
Heute versteht man unter Ostfriesland nur den westlichen Teil der Halbinsel mit den Landkreisen Leer, Aurich, Wittmund und der kreisfreien Stadt Emden. Jever und Wilhelmshaven gehören nicht dazu.
Obwohl Jever urfriesisches Gebiet ist, gehört es heute als Landkreis Friesland zum Oldenburgischen. Weil die ostfriesischen Grafen ein Heiratsversprechen gegenüber der letzten jeverschen Häuptlingstochter, Maria, nicht einhielten, fiel das Jeverland 1575 an ihren Onkel, den Grafen von Oldenburg. Deshalb steht das friesische Brauhaus jetzt im Oldenburgischen.
Text mit freundlicher Genehmigung von Tanno Ramm